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Man schreibt das Jahr
1945. Aufatmen in Europa: Den Schrecken des zweiten Weltkrieges wird im
Mai ein Ende gesetzt. Die Wehrmänner, die zur Verteidigung der Schweiz in
den Aktivdienst eingezogen worden waren, kehren wieder zu ihren Familien
zurück. Auch im Baarer Aussenquartier Inwil nimmt das Leben wieder seinen
Lauf.
Aber einfach zur Tagesordnung
Übergehen wollen die Inwiler nicht. Der Krieg hat bewusst gemacht, dass
gute zwischenmenschliche und freundnachbarliche Beziehungen, ganz
besonders in schwierigen Zeiten, von unschätzbarem Wert sind. Einen
Beitrag zur Festigung der Dorfgemeinschaft sollte erst recht nach dem
Krieg geleistet werden. Konkrete Formen nimmt diese Idee am 1. August 1945
im «Augustinerhof» an, wie das Restaurant Inwil im Volksmund genannt
wurde. (Augustinerhof wurde vom Vornamen des damaligen Besitzers August
Schwerzmann abgeleitet). Traditionsgemäss finden sich am Geburtstag der
Eidgenossenschaft Inwilerinnen und Inwiler in der Dorfbeiz zum gemütlichen
Hock zusammen. Über Gott und die Welt und selbstverständlich über die
Aktivzeit wird an diesem Nachkriegs-1. August diskutiert. Deutlich
zeichnen sich dabei auch Wünsche ab, dass
für eine gute Dorfgemeinschaft
Anstrengungen unternommen werden müssen.
Und weil die Inwiler handlungsfreudige Leute sind, bildet sich an diesem
1. August 1945 ein Kreis von sieben Männern. Ernst Haupt, Anton Häfliger,
Jakob
Meier, Albert Nussbaum, Klemenz Röllin, Hans
Schicker
und August Schwerzmann wollen fasnachtliche Bewegung ins Dorf bringen. Das
ist die Geburtsstunde der Ebeler
Fasnacht. Ein Vorstand wird gleichentags bestimmt. Die
Fasnachtsorganisation
erhalt den Namen «Fasnachtsgesellschaft Inwil».
Parallel dazu wird oftmals auch die Bezeichnung «Nachbarschaft» benutzt.
Auch wenn die Vereinigung ohne Statuten wirkt, lebt sie und wird äusserst
aktiv, nicht nur in fasnachtlichen Dingen.
Der erste Vorstand wird von Ernst Haupt präsidiert, Hans Schicker
übernimmt das Rechnungsführeramt und Jakob Meier arbeitet
als Beisitzer mit.
Begeisterung und Idealismus ist die Triebfeder der Fasnachtsinitianten.
Jedoch stellen sie ungleich bald fest, dass ohne Geld nichts lauft. Also
beschliesst der «Rat», mit Hilfe einer Haussammlung die erforderlichen
Mittel zusammenzubringen.
Die Inwiler Bevölkerung aber steht
dieser Aktion mit Skepsis gegenüber. Es fehlte der Leistungsbeweis der
Fasnachtsgesellschaft und ausserdem, in dieser Nachkriegszeit ist
finanziell niemand «auf Rosen»
gebettet.
Dass die Zunft 1995 «goldenes Jubiläum» feiern kann,
liefert den Beweis für eine
Gründergeneration, die sich nicht so schnell entmutigen liess. Auf jeden
Fall ziehen an der Fasnacht 1946 die Inwiler mit vier Fasnachtswagen
Richtung Baar und ernten dort Achtung und Applaus. Baar war
damals noch
immer Fasnachtsprovinz. Die Gründung
der Fasnachtsgesellschaft Baar erfolgte erst im
Jahre 1947. |